Bericht von Tanja Heier, Rhön- und Streubote

Bilder vom Abschlusskonzert des Jubiläumsjahres 2014

 

Grandioses Ende der „Geburtstagsparty“
Stadtkapelle Ostheim begeisterte zum Abschluss des Jubiläumsjahres beim Konzert in der St.-Michaels-Kirche


Ostheim. (th) Dass das „klingende Aushängeschild“ des Rhönstädtchens, wie die Stadtkapelle von Bürgermeister Ulrich Waldsachs auch genannt wird, sich zum Ende des Jubiläumsjahres wieder etwas ganz Besonderes einfallen lassen würde, war zu erwarten. Nachdem der Auftakt im Januar in der katholischen Kirche „Maria Königin“ stattfand, beendeten die Musiker unter der Leitung von Stadtmusikmeister Walter Bortolotti nun ihre Feierlichkeiten in der evangelischen Kirche St.- Michael mit einem stimmungsvollen Adventskonzert.

 Viele Ostheimer und Auswärtige waren gekommen, um das „Finale“ im Konzertreigen anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Musikvereins sowie des 30-jährigen Dirigats von Walter Bortolotti live mitzuerleben.
Pfarrer Christian Schümann kündigte in seiner Begrüßung einen „Vorgeschmack auf das Fest“ an und es sollte nicht lange dauern, bis es den rund 50 Musikern gelungen war, eine feierliche und warme Atmosphäre in dem Gotteshaus zu erzeugen.
Moderator Bruno Schmalen lud zum „Wohlfühlen“ ein und hoffte, dass er es schaffe, mit seinen Worten hineinzuführen in die Besinnlichkeit und Schönheit  der Musikstücke.

Die nun folgende Lobeshymne „Accolade“ von Brady Massey passte als Auftakt perfekt, bedeutet der Titel doch „Großes Lob und hohe Auszeichnung“. Beides haben sich die Musikerinnen und Musiker sowie ihr Dirigent mehr als verdient.

Die erste Vorsitzende, Monika Weber, begrüßte zahleiche Ehrengäste, freute sich über das ungebrochene Interesse an der Blasmusik und hielt kurz Rückschau auf die zahlreichen Veranstaltungen im Zuge des Jubiläumsjahres. Weber begann mit dem Neujahrskonzert und berichtete über das Osterkonzert in der Aula der Grundschule, bei welchem Stadtmusikmeister Walter Bortolotti dreißig rote Rosen von seinen Musikerinnen überreicht wurden. Mit den Worten „wir waren überwältigt“ lobte sie die treue Fangemeinde, die alle Events zu etwas Besonderem werden ließen. Es folgten der Ehrenabend im April und der fränkisch-böhmische Abend in der Markthalle mit Unterstützung des Kabarettisten Fredi Breunig im Juni. Nach der Sommerpause ging es weiter mit CD-Aufnahmen und einem Benefizkonzert zugunsten Demenzkranker in Bad Königshofen. Ein weiterer Höhepunkt war das Konzert von den Gästen des Heeresmusikkorps aus Kassel. Die Herren hätten sich in Ostheim sichtlich wohl gefühlt und die Besucher in der Grundschule mit ihrer böhmischen Blasmusik begeistert, fuhr Monika Weber fort. Mitte November bekam der Nachwuchs beim Jugendkonzert viel Lob und jetzt läutete die erste Vorsitzende, wie sie es nannte, das „Ende der Geburtstagsfeier“ ein.

Nach „A Festive Tribute“, als weltliche Kantate komponiert von Johann Sebastian Bach, folgte eine hochklassige Auswahl an Stücken aus der Oper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck, welche den Musikern einiges abverlangten. Die Oper, deren Vorlage das gleichnamige Märchen der Gebrüder Grimm bildete, gehört heute noch zum häufig gespielten Repertoire an Opernhäusern, ganz besonders in der Adventszeit, erläuterte der Moderator. Die Stadtkapelle brachte Auszüge in einer Bearbeitung von Bernhard Fitzgerald zu Gehör und wurde mit tosendem Applaus belohnt.

Die Lesung zum zweiten Advent trug Juliane Witthauer vor. Der Text handelte von der apokalyptischen Endzeitstimmung, von Angst und Trauer. Auch das Düstere fand seinen Raum im Rahmen des Konzertes und da die Vorleserin erst in der vergangenen Woche ihren Vater beerdigen musste, kamen diese Worte aus ihrem Mund umso glaubwürdiger bei den Besuchern an.

Bruno Schmalen machte einen Sprung zurück in die Zeit um 1600 und erzählte, wie der heutige Weihnachtsbaum seinen Weg in die Wohnzimmer der Menschen gefunden hatte. Mit leuchtenden Augen berichtete er von seiner frühen Kindheitserinnerung, der „Plünderung“ des Christbaums am sechsten Januar und davon, wie jeder, der ein Gedicht aufsagen oder ein Musikstück vortragen konnte, sich eine Leckerei von den Zweigen holen durfte.
Damit leitete er über zu dem Stück „Flight of Fancy“, welches dazu animierte, wie ein Kind auch kühne Träume zu haben und Luftschlösser zu bauen. Doris Mühlfeld brillierte dabei als Solistin an der Querflöte.
Etwas „speziell“ wurde es mit den beiden Teilen von „Two Movements“. Die Stadtkapelle brachte den „Song of happiness“ und „Temptation“ zu Gehör. Ruhig und getragen beginnend wurde das Stück dann schnell kraftvoller und wunderbar melodiös. Im Kontrast dazu war Teil zwei sofort temporeich, schwungvoll und ging ins Ohr. Wer Lukas Kutzner am Schlagzeug beobachtete, hatte beim Zusehen seine helle Freude.  

Im Jahr 1614, vor vierhundert  Jahren, plante man in Ostheim den Bau der St.-Michaelskirche. Genau in dieser Zeit entstand auch ein Gedicht, welches deutlich macht, dass Weihnachten ein Fest des Friedens und der Hoffnung ist. Moderator Schmalen las es sehr betont vor und erwähnte dabei auch die Bedeutung der Engel des Herrn in der Weihnachtsgeschichte. Es waren Engel, die die nahe Ankunft des Messias und seine Geburt verkündeten, erklärte er. Passend dazu spielte die Stadtkapelle nun drei Sätze für die Himmelsboten aus der „Christmas Suite auf Angels“ von Charles Richard Spinney. Kraftvoll klangen „Hört der Engel helle Lieder“, „Hirten die auf dem Felde waren“ und „Boten rufen überall: rühmt das Königskind im Stall“ durch den Kirchenraum.

Damit neigte das Konzert sich seinem Ende zu. Bruno Schmalen bedankte sich bei allen Musikern und wies darauf hin, dass viel ehrenamtliche Arbeit nötig war, um das Jubiläumsjahr gebührend zu feiern.
Die Tenorhörner, geblasen von Michael und Julian Weber sowie Gisbert Hander, hatten einen Soloeinsatz bei der folgenden „Abendstimmung“ und vermittelten ein Gefühl von Geborgenheit.
Stadtmusikmeister Walter Bortolotti kündigte noch das Stück „Give us Peace“, besser bekannt in seiner gesungenen Kanonversion „Dona Nobis Pacem“, an. Hierzu waren die beiden Trompeter Wolfgang Sperl und Manfred Schneider auf die Orgelempore gestiegen und bliesen die Friedensbotschaft glockenklar in das Kirchenschiff hinunter.

Da ja der Applaus bekanntlich das „Brot der Künstler“ ist, sollte an diesem Abend keiner der Aktiven hungrig nach Hause gegangen sein. Mit nicht enden wollendem Beifall und Standing Ovations honorierten die Besucher die hochklassige Leistung der Musiker.